Ich bin zurzeit auf dem Kongress für traditionell chinesische Medizin (TCM) in Rothenburg ob der Tauber. Das ist der wichtigste Kongress für TCM-Therapeuten in Deutschland. Es gibt auch einen Diätetik-Tag, doch der hat mich in diesem Jahr gar nicht so sehr interessiert. Viel spannender fand ich den Schwerpunkt zu westlichen Kräutern. In zwei, jeweils dreistündigen Workshops (ja, mir qualmt der Kopf) zeigten Dozenten, wie mit unseren einheimischen Kräutern die Kunst der Komposition einer Kräuterrezeptur gelingt. Es muss ja nicht immer Ginseng sein, auch wir haben ganz wunderbare Kräuter. Wie sagte die Dozentin Eva Mosheim-Heinrich heute: „Wir brauchen genau das Kraut, das bei uns vor der Tür wächst.“ (Was wollen mir wohl nur die ganzen Brennnesseln am Waldrand um die Ecke sagen?, fragte ich mich zwischendurch und konzentrierte mich dann wieder auf den Vortrag).
In der TCM wird ein Kraut nicht einzeln gegeben, sondern stets in einer aufeinander abgestimmten Komposition mit mehreren Substanzen. Doch dazu braucht es ein langwieriges Studium. Ich will deswegen nicht in die Feinheiten der Kräutertee-Komposition einsteigen. Doch es lohnt sich, unsere Kräuter genauer anzuschauen, mit denen wir uns täglich etwas Gutes tun können. Ich stelle hier einzelne Kräuter vor, die uns gegen den täglichen Stress besser wappnen.
Der Baldrian etwa gibt leeren und erschöpften Menschen wieder Ruhe und Kraft. Frisch sei er eine echte Herausforderung, sagte die Dozentin Mosheim-Heinrich, die ihn auch im Garten hat: „Er stinkt.“ Es gibt ihn jedoch auch als Tinktur zu kaufen. Lavendel scheint ein wahrer Alles-Könner zu sein. Er wärmt und kühlt, beruhigt und bewegt – je nachdem, was der Mensch gerade braucht.
Hilfreich ist auch das Eisenkraut, sagte Dozentin Birgit Bader. „Es macht so stark wie Eisen gegen Stress und entspannt. “ Die Melisse beruhigt den Geist. Und es gibt noch einen anderen Stimmungsaufheller, der gerne auch beim Fußballgucken konsumiert wird: „Hopfen macht fröhlich“, sagte Bader.
Wenn die Mitte – also die Verdauung schwach ist – hilft eine Kombination aus Ingwer und Süßholzwurzel. Das ist ein schönes Beispiel für eine Kombination, die gut schmeckt.
Zubereitung: Die Kräuter jeweils mit kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten bei geschlossenem Deckel ziehen lassen.
In der Pause bin ich durch die historische Stadt gestreift und zickzack laufend durch die vielen Touristengruppen schließlich in einem Klostergarten gelandet. Und siehe da: Dort standen die Kräuter, von denen ich an diesem Tag so viel erfahren habe. Es war schön, ihnen zu begegnen.








